Archiv für Juli, 2007
Ich bin älter geworden- 21. Einundzwanzig. Einundzwanzig Jahre alt und das Gefühl schon alles erlebt zu haben. Jeden Schritt schon einmal gemacht zu haben, jeder Tag bringt nur die Wiederholung längst bekannter Vorgänge.
Mit einundzwanzig schon des Lebens müde.
Sicher, jeder vierzig jährige wird mir nun vorwerfen, ich könne noch gar nicht alles erlebt haben, müsse noch viele Erfahrungen machen. Habe noch gar keine Ahnung vom Leben. Wahrscheinlich wird mir das aber auch schon jeder dreißig oder fünfundzwanzig jährige sagen.
Aber mit 21 habe ich das Gefühl, als könne sich für mich nichts großartig neues mehr ereignen. Die Erfahrung, das alles im Leben überwiegend temporär ist, bestätigt mich in dieser Auffassung.
Freunde kommen, Freunde gehen.
Trends kommen, Trends gehen.
Freude kommt, Freude geht.
Glück kommt und geht.
Liebe kommt, Liebe geht
Traurigkeit kommt.
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Das Licht ist gedeckt es herrscht eine unangenehme Stille. Hier und da die Geräusche von Schritten auf dem harten Beton, wispern. Leere Gesichter.
Ich weiß nicht, warum ich hier bin..
Abschied nehmen, hätte ich das nicht auf eine andere Art und Weise tun können?
Jetzt würde ich mich für immer an diese Atmosphäre erinnern, das düstere Licht, den Klang unterdrückter Tränen. Obwohl Tränen doch eigentlich gar keinen Ton von sich geben.
Ich will alles so in Erinnerung behalten, wie ich es gekannt habe.
Es ist schwer, ihr ins Gesicht zu gucken. Es tut weh zu sehen, das ihr Mund sich nicht zu dem Lächeln verzieht, das ich kenne.
Ich beuge mich langsam vor.
Warum bist du so blaß?
Warum schläfst du jetzt, sieh doch, wer alles hier ist.
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Zeigefinger und Mittelfinger auf der Innenseite meines linken Handgelenks, Blick auf die fluoriszierenden Sekundenzeiger der Uhr gerichtet.
Puls 49. Ein stetiges aber langsames Pochen in mir, das angibt, dass ich noch lebe. Mein Kreislauf steht in meinem Dienst.
1…2…3…..
Ich zähle meine Herzschläge in der Minute, kontrolliere meine Atmung.
Ein, aus, ein, aus, tief und entspannt.
Ich grabe mich ganz tief in die Decke hinein, mir ist so kalt.
Du liegst warm und weich neben mir im Bett. Ich lausche deinem Atem, beobachte im Dunkel der Nacht wie du ab und an kurz aufschreckst, um schließlich mit einem schmatzenden Seufzer wieder einzuschlafen. Du hast einen so tiefen Schlaf. Ich ertappe mich dabei, wie ich dich darum beneide, versuche mich zu erinnern, wann ich das letzte Mal eine ganze Nacht durchgeschlafen habe. Aber es will mir einfach nicht einfallen.
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Die Luft roch nach Regen und seine Kleidung war durchnässt vom letzten Schauer.
Er wartete.
Er hatte überlegt, sich hinzusetzen, auf diese kleine orange Plastikbank, unters Dach. Seine Füße taten weh und er war müde. So müde.
Aber der Platz war bereits besetzt gewesen, als er die Haltestelle erreichte. Eine junge Frau hatte dort gesessen, mit einem Kinderwagen.
Er wußte, er hätte sie bitten können, ihm den Platz zu überlassen, schließlich war er in einem Alter, indem jeder Verständnis dafür haben müsste, wollte er sich etwas ausruhen.
Aber er hatte Angst gehabt. Er wollte sie nicht fragen.
Was würde sie von ihm denken?
Er wußte, was die anderen dachten, konnte es an ihren Blicken erkennen.
Ekel.
Sie wandten sich von ihm ab, und wenn nicht wegen seiner äußeren Erscheinung, dann wegen seiner Alkoholfahne.
Es war ja nicht so als könnte er sie nicht verstehen. Er wußte, er roch.
Nur ein kleiner für den Magen, hatte er immer gesagt, gelächelt und sich ein Schnapsglas eingeschenkt.
Erst nur nach dem Essen, später dann ein Bier vor dem Fernseher. Zwei, drei.
Ein paar mehr wenn er schlechte Laune hatte.
Schließlich kaufte er sich vor der Arbeit den ersten „Magenbitter“, wenn es noch gar nichts zu verdauen gab und trank ihn direkt vor dem Supermarkt aus.
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Du bist anders, hatte er gesagt. Gelächelt. Sie auf die Stirn geküßt.
So hatte alles angefangen.
Selten hatte sie sich so glücklich gefühlt. So einzigartig. So gewollt.
Alles schien Sinn zu machen. Glück. Freude. Zufriedenheit.
Die Sonne strahlte heller als sonst. Die Wiesen waren grüner, die Blumen dufteten intensiver.
Sie fühlte sich verstanden.
Endlich sah jemand das „Anderssein“ nicht als Makel. Vielmehr als ein Geschenk. Das war neu für sie.
Wie oft hatte sie sich gefragt, warum sie nicht einfach so war, wie die anderen. Auf Partys gehen, rauchen, trinken, unbeschwert in den Tag hineinleben.
Das hatte sie schon alles getan. Lang war das her. Aber sie vermißte es nicht. Diese Phase war schon lange abgeschlossen. Seit Jahren.
Wie oft hatte sie sich mit Gleichaltrigen verglichen, überlegt, was an ihr falsch war.
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