Das Zimmer ist leer. Wir sitzen in verteilten Rollen und versuchen uns an der Lösung meines Lebens.
Er lässt meine Hand los.
„Doch“, sage ich leise und dennoch bestimmt. Bewege mich keinen Millimeter auf dem braunen Ledersofa,..
Das Zimmer ist leer. Wir sitzen in verteilten Rollen und versuchen uns an der Lösung meines Lebens.
Er lässt meine Hand los.
„Doch“, sage ich leise und dennoch bestimmt. Bewege mich keinen Millimeter auf dem braunen Ledersofa,..
Bauchgefühl
Deine Frau spricht nicht mehr mit mir.
Ich hab versucht zu lächeln, als ich sie am Bierwagen sah und sich unsere Blicke wie zufällig trafen.
Sie schaute an mir vorbei und trat einen Schritt näher an dich ran. Weiterlesen …
…nehmen wir doch für einen Moment an, wir könnten das Leben in kleinen Dosen zu uns nehmen, wann immer uns danach ist……
Das Schränkchen ist weiß, außen und innen. Es hat drei Ablageflächen aus vergilbtem Plastik, von denen ich gar nicht mehr weiß, wie sie wohl vor dem Verfärben ausgesehen haben.
Ganz unten liegt die tägliche Dosis. Noch vor dem Zähneputzen hole ich mir davon, nehme einen tiefen Schluck aus der Flasche, schließe meine Augen und besinne mich auf Altbekanntes, fühle Gewohntes und glaube für einen Moment fast, ganz gewöhnlich sein zu können. Manchmal schüttle ich die Flasche ein bißchen; das verändert den Geschmack und ich beobachte so gern die kleinen abgelagerten Partikelchen, wie sie durch die dickflüssige Flüssigkeit schweben, um sich nach gewisser Zeit doch nur wieder auf dem Boden zu sammeln und dort zu verharren. So lang, bis ich wieder in der Laune bin, sie tanzen zu sehen.
Die Sonne ist noch nicht ganz aufgegangen, da wacht sie auf, reibt sich den Schlaf aus den Augen und rekelt sich. Das Bett ist ganz warm, er liegt immer noch neben ihr und schläft. Sieht so friedlich aus. Sie sieht ihn ernst an, streicht ihm über die roten Wangen.
„Machs gut.“
Sie setzt sich auf und schaut ihm noch einen Moment beim Schlafen zu, bevor sie aufsteht.
Vom Abend davor weiß sie nicht mehr viel, es ist einer von vielen gewesen. Immer die gleichen Leute, die gleiche Musik, die gleichen Getränke.
Das gleiche Spiel.
Manchmal ändern sich die Spielfiguren, er ist aber meist dabei und ringt mit ihr um den ersten Platz.
Sie zieht sich langsam ihre Sachen an, die überall verstreut auf dem Fußboden liegen. Das Shirt riecht nach ihm, die Hose eher undefinierbar, der BH ist unauffindbar.
Der Blick in den Spiegel ist an einem Morgen wie diesem unangebracht. Trotzdem kann sie nicht widerstehen und betrachtet ihr Spiegelbild. Die Haut fahl und grau, die Augen klein. Die Lippen rissig und ausgetrocknet. Ihr Haar, gestern mühsam frisiert, hängt herunter wie Stroh. Es sieht aus wie sie sich fühlt, ausgelaugt und kraftlos.
Unter den Augen tiefe Ringe.
Sie könnte nicht ertragen, würde er sie so sehen, also musste sie verschwinden, bevor er aufwachte. Sie wollte immer Traum bleiben, Illusion, sie wollte nicht zerstören, was sie für ein paar Stunden aufgebaut hatte.
Mein Bauch ist tot. Ich hab’s heute morgen gemerkt. Ich lag im Bett, bin auf dem Rücken liegend aufgewacht und konnte mich nicht auf die Seite legen, denn mein Bauch war tot. Ich habe mit beiden Händen meinen Bauchnabel massiert, um zu sehen, ob sich irgendetwas regte, es vielleicht ein Lebenszeichen gäbe. Aber nichts.
Hätte ich gekonnt, ich hätte mein Ohr ganz nah an meinen Bauch gelegt, ob ich etwas hören könnte, ob sich dort drinnen wohl noch etwas abspielte. Ich hätte doch nichts hören können.
Zuerst hatte ich überlegt, einfach aufzustehen, den Tag ganz so zu beginnen, als sei nichts geschehen, als sei alles, wie es immer war, gestern, vorgestern und letzte Woche.
Aber das ging gar nicht. Ich fühlte mich so schwer, mit diesem Ballast am Körper, diesem toten Fleisch, dass ich mit mir rumtrug, das einmal mein Bauch gewesen war.
Wenn ich nun frühstücken würde, wo würde das Essen bleiben, würde mir mein Müsli direkt in die Knie rutschen, so ganz ohne Bauch?
Schließlich entschied ich mich dafür, es einfach auszuprobieren, stand also auf, frühstückte, was hatte ich schon zu verlieren?
Das Gefühl.
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