Dein Mann (Teil 8)


Feierabend

 Als ich von der Arbeit kam, war David gerade dabei zu telefonieren. Auf Socken kam er mir aus dem Wohnzimmer entgegen und legte den Finger auf den Mund. Ein trockener Kuss auf die Stirn. Dann tapste er zurück, setzte sich in den Ohrensessel und legte die Füße auf den Couchtisch.

Ich stellte meine Tasche ab, zog die viel zu engen Schuhe aus und ging ins Bad. Ich hatte mich inzwischen an dieses Gesicht gewöhnt. An das Gesicht, dass zu einer Frau gehört, die mit dem Mann ihrer besten Freundin schläft. Und nicht nur das, die zusammen mit diesem Mann wohnt, als wäre es ihr eigener, ohne dass irgendjemand davon weiß. Ich spritzte mir kaltes Wasser auf die Wangen und schminkte meine Arbeitskleidung ab.

Durch die Tür hörte ich Davids tiefe Stimme, er sagte nicht viel und sprach ganz ruhig bedacht.

 

„Wer war das?“, fragte ich, David saß nun auf der Kante des Sessels, Sein Gesicht in seinen Händen vergraben, die er auf den Tisch stützte. „David?

 

 

Aufbruch

 

Seitdem ich mitten in der Nacht in Lenes Zelt aufgewacht war, hatte ich nichts anderes im Kopf als zu versuchen mein schlechtes Gewissen zu verbergen und das Geschehene möglichst schnell zu vergessen. Für den nächsten Tag hatten wir eine gemeinsame Kanutour geplant, zu der schließlich nur noch Markus und ich aufbrachen, weil es den Mädchen zu nass und kalt war.

Susanne und Anja wollten lieber im nächsten Örtchen auf die Suche nach einem schönen Bistro gehen und Lene verschwand einsilbig mit ihrer Kamera um den Hals in der Umgebung.

Am liebsten hätte ich sie begleitet und ihr beim Fotografieren zugeschaut, die Welt mit ihren Augen gesehen um sie auch nur ein bisschen zu begreifen.

Das Kanu fahren verlief nicht so, wie wir es erwartet hatten. Außer uns und dem Bootsverleiher war niemand an der Anlegestelle. Der Bootsverleiher sprach in einer Mischung aus französisch, englisch und deutsch und schien nicht wirklich überzeugt von unserem Vorhaben zu sein. Schließlich gab er uns doch unsere Rettungswesten und die Tonne für unsere Habseligkeiten und half uns, das Kanu ins Wasser zu schieben. Ich war noch nie paddeln gewesen, Markus brüstete sich mit seinen bisherigen Erfahrungen und amüsierte sich über das Verhalten des Bootsverleihers.

„ Ich glaube er befürchtet, dass wir kentern“, scherzte er mit einem Augenzwinkern und paddelte mit großen Zügen drauf los. „Der Regen lässt sowieso gleich nach, wirst schon sehen.“

Der Regen ließ nicht nach, aus dem feinen aber unangenehmen Nieselregen wurde nach einer Stunde auf dem Wasser ein richtiger Schauer, begleitet von einem unangenehmen Gegenwind, der uns nicht nur das Vorankommen erschwerte, sondern gleichzeitig unsere Gesichter einfror. Erzählte Markus anfangs noch von seiner letzten Paddeltour und von pikanten Einzelheiten mit Susanne, war er inzwischen sehr still  geworden. Wir beide konzentrierten uns nur auf das Wasser und versuchten seinen Bewegungen mit unseren Körpern und der Kraft unserer Paddelschläge standzuhalten.

Ich versuchte nicht an Lene zu denken, diesen Moment zu nutzen und mich nur auf das Wasser und meine Kraft zu konzentrieren aber es gelang mir nicht. Immerzu sah ich ihr Gesicht vor mir, sah ich die süßen Tränen über ihre Wangen rinnen, ihre Hand, hinter der sie ihre Augen zu verstecken versuchte, sah ich ihr Gesicht, ganz nah.

„Festhalten!“, schrie Markus.

 

Rückblick

 

Die Kamera baumelte mir schwer um den Hals und meine Füße waren kalt. Kaum ein Foto hatte ich bisher geschossen, alles erschien mir zu langweilig, zu trivial. Wasserbenetzte Spinnweben, ein ehemals kleines Bächlein, dass der fortwährende Regen zum einem rauschenden Bach gemacht hatte. Die neblige Landschaft in der Ferne, in die man von einer alten Brücke aus schauen konnte.

Was ich von David halten würde, hatte Anja mich damals gefragt, nachdem sie ihn mir vorgestellt hatte und schon damals hatte ich nicht gewusste, was ich antworten sollte. Schon damals habe ich gelogen, als ich so tat, als würde ich diesen neuen Mann in Anjas Leben zum ersten Mal treffen, als hätte ich ihn noch nie zuvor gesehen, noch nie mit ihm gesprochen. Ich tat so, als hätte seine Hand noch nie meinen Arm, meinen Rücken, mein Haar berührt und es fiel mir leichter, als ich vermutet hätte.

„David findet dich auch nett“, erzählte sie mir. Sie hatte nichts gemerkt, von dem kurzen Aufblitzen in seinen Augen, als sie zusammen mein WG Zimmer betraten und Anja ihn feierlich vorstellte. Unsere Augen trafen sich und ich stammelte ein „Hallo, ich bin Lene, Anjas Mitbewohnerin.“ Und als David mir die Hand gab und mir zunickte war klar, dass wir beide dieses Spiel spielen würden.

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Von Ilana am 19. März 2009 veröffentlicht in Kurzgeschichten

5 Kommentare

  1. susanne, 12. Mai 2009:

    Spannende Fortsetzung…hoffentlich geht es bald weiter!

  2. rolf, 30. September 2009:

    War spannend, konnte kaum aufhören
    Gruß

  3. Martin, 21. Oktober 2009:

    Auch als Mann…spannend zu lesen! Würd mich besonders interessieren, wie es mit der ersten Geschichte weitergeht!

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