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Jana?
Ich werfe die Autotür zu und drehe mich um.
Da sehe ich dich, du stehst am Mülleimer vor dem Getränkemarkt, so groß und blass. Ich hätte dich auch hundert Jahre nicht gesehen haben können und würde dich trotzdem erkennen.
Ich lächle, rufe ein aufmunterndes „Hallo!“ und gehe auf dich zu.
Deine Haut ist fast rosa und du hast kein Haar auf dem Kopf. Soll ich dich umarmen? Haben wir uns früher umarmt, uns die Hand geschüttelt, wenn wir uns zufällig getroffen haben?
Daran kann ich mich nicht erinnern.
Schließlich bleibe ich einfach vor dir stehen. Nicht zu weit weg, du sollst nicht denken, ich würde mir darüber Gedanken machen.
„Wie sieht`s aus bei dir?“, fragst du lächelnd.
Ich weiß nicht, wo ich hingucken soll, möchte dich doch ansehen, während ich mit dir spreche. Gleichzeitig aber nicht starren. Nicht auf deine Glatze sehen, oder auf deinen geschrumpften Körper.
Ich versuche, deine Augen zu treffen. „Alles ok soweit“, sage ich und versuche normal zu klingen. „Sommerferien- kann mich nicht beklagen.“
Ich zögere. „Und..bei dir…alles ok?“
„Ich fang nächstes Jahr wieder an zu arbeiten!“, strahlst du, „Mache jetzt nur noch eine Erhaltungstherapie, nur Tabletten schlucken, abends zur Kontrolle ins Krankenhaus. Aber nix mit Übelkeit und so.“
Ich seufze. „Das ist so schön zu hören“ sage ich und meine es auch so.
Jede Sekunde, die ich dich anschaue scheint gefüllt mit Bildern und Worten, mit dem Früher, als du noch der kleine Junge warst, der mich ins Kino einladen wollte, mir Liebesbriefe geschrieben hat.
Der mich angerufen hat und den ich wie Dreck behandeln konnte, wenn ich wollte.
Dem ich irgendwann, abends, vor dem Haus meiner Eltern auf dem Bürgersteig sitzend gesagt habe, dass er einfach zu jung für mich ist.
Jetzt hast du mich eingeholt, bist so viel älter als ich.
„Ich muss noch hier rein, brauchst du auch noch Getränke?“
„Nein, nein“, wehre ich ab, „Ich brauche nichts. Ich bin nur rüber gekommen um Hallo zu sagen.“
„Also dann“, sagst du. Deine weißen Wimpern zucken langsam. Du hast etwas so friedliches an dir.
„Also dann“, sage ich „Bis demnächst dann mal!“ und drehe mich schnell um, weil ich Angst habe, der Tod könnte mir aus deinen Augen zu zwinkern.

Erschreckend nah, erschreckend offen, erschreckend real.
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Erschreckend.
Liebe Grüße.
Ich bin immer wieder ein wenig verstört, wenn ich Deine Seite verlasse, aber ich komme gern immer wieder hier her, um Neues zu lesen.
Wenn ICH Jana wäre, käme ich wohl lange nicht mehr zur Ruhe nach diesem Treffen. Erschreckend, peinlich. Hoffentlich passiert mir so was nicht.